Ein Haus zu kaufen ist für die meisten Menschen die größte Entscheidung ihres Lebens, und sie lässt sich kaum rückgängig machen. Wer strukturiert vorgeht, vermeidet teure Überraschungen und kann am Notartermin ruhig unterschreiben. Diese Checkliste führt Sie von der ersten Suche über Finanzierung, Besichtigung und Unterlagenprüfung bis zum Kaufvertrag, mit den belegbaren Zahlen für Düsseldorf und Nordrhein-Westfalen. Sie ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung, gibt Ihnen aber einen klaren roten Faden durch die wichtigsten Phasen.
Budget und Finanzierung: ehrlich rechnen, bevor Sie suchen
Bevor Sie das erste Exposé öffnen, sollten Sie wissen, was Sie sich leisten können. Klären Sie zuerst Ihr Eigenkapital und Ihren finanziellen Spielraum, denn beides bestimmt, welche Objekte überhaupt in Frage kommen.
- Eigenkapital ermitteln: Als Faustregel sollten Sie die Kaufnebenkosten und idealerweise einen Teil des Kaufpreises aus eigenen Mitteln tragen. Banken finanzieren selten den vollen Preis plus Nebenkosten.
- Nebenkosten einplanen: Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Maklerprovision kommen zusätzlich zum Kaufpreis hinzu, in NRW zusammen oft rund zehn Prozent.
- Monatliche Belastung prüfen: Rate, Nebenkosten, Instandhaltung und Rücklagen sollten dauerhaft tragbar bleiben, auch bei steigenden Zinsen nach Ablauf der Zinsbindung.
- Finanzierungsbestätigung einholen: Eine schriftliche Zusage Ihrer Bank gibt Ihnen Sicherheit und stärkt Ihre Position gegenüber dem Verkäufer.
- Puffer für Reparaturen: Gerade bei Bestandsimmobilien sollten Sie Rücklagen für Modernisierung und unvorhergesehene Mängel vorsehen.
Rechnen Sie konservativ. Ein etwas niedrigeres Budget, das Sie sicher bedienen können, ist mehr wert als ein Traumhaus, das Sie finanziell überfordert.
Lage und Umfeld prüfen: was sich später nicht ändern lässt
Den Zustand eines Hauses können Sie sanieren, die Lage nicht. Sie ist der wichtigste werterhaltende Faktor und entscheidet über Ihre Lebensqualität im Alltag.
- Infrastruktur: Erreichbarkeit von Einkauf, Ärzten, Schulen, Kitas und öffentlichem Nahverkehr.
- Anbindung: Wege zur Arbeit, Autobahnanschluss, Bahnhof und Parkmöglichkeiten.
- Lärm und Emissionen: Hauptstraßen, Bahnlinien, Gewerbe oder Flugschneisen, am besten zu verschiedenen Tageszeiten prüfen.
- Nachbarschaft und Entwicklung: Pflegezustand der Umgebung, geplante Bauvorhaben und der Bebauungsplan der Gemeinde.
- Überschwemmungs- und Altlastenrisiken: Gerade in NRW lohnt ein Blick in vorhandene Hochwasser- und Risikokarten.
Besuchen Sie die Gegend mehrmals, auch abends und am Wochenende. So bekommen Sie ein realistisches Bild vom Wohnumfeld, das ein Exposé nicht vermitteln kann.
Objektzustand und Bausubstanz: die teuren Stellen genau ansehen
Die größten Kostenrisiken stecken in der Substanz. Konzentrieren Sie sich bei der Besichtigung auf die Bauteile, deren Sanierung später am teuersten wird.
- Dach: Alter der Eindeckung, Zustand von Dachstuhl und Dämmung, Spuren von Feuchtigkeit oder Schimmel unter dem Dach.
- Heizung: Art, Baujahr und Wartungszustand der Anlage. Eine alte Heizung kann mittelfristig ausgetauscht werden müssen, das ist ein erheblicher Kostenfaktor.
- Feuchtigkeit: Keller, Sockel und Wände auf nasse Stellen, Salzausblühungen, muffigen Geruch und Schimmel prüfen, ein klassischer und teurer Schwachpunkt.
- Elektrik: Alter der Leitungen, Sicherungskasten, Zahl der Steckdosen. Eine veraltete Elektroinstallation ist ein Sicherheits- und Kostenthema.
- Fenster, Fassade und Leitungen: Dichtigkeit der Fenster, Risse in der Fassade, Zustand von Wasser- und Abwasserleitungen.
Bei Bestandsimmobilien ist es sinnvoll, einen unabhängigen Bausachverständigen zur Besichtigung mitzunehmen. Sein Honorar ist gering im Vergleich zu Mängeln, die er rechtzeitig aufdeckt.
Unterlagen prüfen: was Sie vor der Unterschrift lesen müssen
Ein gepflegtes Haus kann rechtliche Lasten tragen, die man ihm nicht ansieht. Lassen Sie sich daher alle Unterlagen aushändigen und prüfen Sie sie sorgfältig.
- Aktueller Grundbuchauszug: Abteilung I nennt den Eigentümer, Abteilung II Lasten und Beschränkungen wie Wege-, Wohn- oder Nießbrauchrechte, Abteilung III die Grundpfandrechte wie Grundschulden und Hypotheken.
- Energieausweis: Nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) muss er Ihnen spätestens bei der Besichtigung vorgelegt werden. Achten Sie auf Verbrauchs- oder Bedarfsausweis und die energetische Einstufung.
- Baulasten: In NRW stehen Baulasten nicht im Grundbuch, sondern im Baulastenverzeichnis der Bauaufsichtsbehörde. Eine getrennte Einsicht ist wichtig, weil Baulasten die Bebaubarkeit und Nutzung einschränken können.
- Bei Eigentumswohnungen (WEG): Teilungserklärung und Gemeinschaftsordnung, aktuelle Höhe des Hausgelds und Wirtschaftsplan, die letzten Jahresabrechnungen, die Protokolle der Eigentümerversammlungen mehrerer Jahre sowie Höhe und Stand der Instandhaltungsrücklage.
Die Protokolle und die Rücklage verraten viel über den Zustand der Gemeinschaft. Niedrige Rücklagen bei anstehenden Sanierungen können auf künftige Sonderumlagen hindeuten.
Kaufnebenkosten in NRW: was zusätzlich zum Kaufpreis anfällt
Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Rechnung. Die Nebenkosten müssen Sie in der Regel aus Eigenkapital aufbringen, deshalb sollten Sie sie früh einplanen.
- Grunderwerbsteuer: In Nordrhein-Westfalen beträgt sie 6,5 Prozent des Kaufpreises. Bemessungsgrundlage ist der Wert der Gegenleistung, in der Regel der beurkundete Kaufpreis (§ 9 GrEStG).
- Notar und Grundbuch: Für die Beurkundung und die Eintragungen im Grundbuch fallen zusammen rund 1,5 bis 2 Prozent des Kaufpreises an.
- Maklerprovision: Wird ein Makler tätig, liegt die Gesamtcourtage in NRW üblicherweise bei etwa 7,14 Prozent inklusive Mehrwertsteuer. Seit dem 23. Dezember 2020 wird sie bei Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen, die an Verbraucher verkauft werden, in der Regel zwischen Käufer und Verkäufer geteilt (§§ 656c, 656d BGB), also etwa 3,57 Prozent je Seite.
In Summe sollten Sie für die Kaufnebenkosten in NRW grob mit rund zehn Prozent des Kaufpreises rechnen, je nachdem, ob ein Makler beteiligt ist.
Die Besichtigungs-Checkliste: vorbereitet zum Termin
Eine gute Besichtigung ist mehr als ein Rundgang. Wer vorbereitet kommt, erkennt Mängel und stellt die richtigen Fragen.
- Vorbereitung: Exposé und Energieausweis vorab anfordern, Fragenliste mitnehmen, Taschenlampe und Maßband einpacken.
- Außen beginnen: Dach, Fassade, Fenster, Keller von außen, Garten, Zuwegung und Stellplätze ansehen.
- Innen systematisch: Jeden Raum auf Feuchtigkeit, Risse, Schimmel, Bodenbeläge und Fenster prüfen, in Keller und Dachboden besonders genau.
- Technik checken: Heizung, Sicherungskasten, Steckdosen, Wasserdruck und Abflüsse testen.
- Fragen stellen: nach Baujahr, durchgeführten und anstehenden Sanierungen, laufenden Kosten und Gründen für den Verkauf.
- Dokumentieren: Fotos machen, Notizen festhalten und das Objekt am besten ein zweites Mal bei Tageslicht besichtigen.
Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Eine seriöse Besichtigung darf Zeit kosten, und gute Fragen sind ein Zeichen von ernsthaftem Interesse, kein Misstrauen.
Kaufvertrag, Notartermin und typische Fallstricke
Der Kauf eines Grundstücks oder Hauses bedarf zwingend der notariellen Beurkundung (§ 311b BGB). Der Notar ist dabei zur Neutralität verpflichtet und vertritt keine Seite, ersetzt also keine eigene rechtliche Prüfung.
- Entwurf rechtzeitig prüfen: Als Verbraucher soll Ihnen der Vertragsentwurf im Regelfall zwei Wochen vor dem Notartermin vorliegen (§ 17 Abs. 2a BeurkG). Nutzen Sie diese Zeit, um alles in Ruhe zu lesen.
- Inhalte abgleichen: Kaufpreis, Objektbeschreibung, Übergabetermin, Zahlungsmodalitäten und Regelungen zu Mängeln genau prüfen.
- Fragen klären: Unklarheiten vor dem Termin ansprechen, nicht erst beim Vorlesen beim Notar.
Achten Sie besonders auf diese Red Flags:
- Druck zum schnellen Abschluss oder zur Unterschrift ohne ausreichende Prüfzeit.
- Fehlende oder unvollständige Unterlagen, besonders Grundbuchauszug, Energieausweis oder WEG-Protokolle.
- Versteckte Lasten in Abteilung II und III des Grundbuchs oder nicht eingesehene Baulasten.
- Auffallend niedriger Preis ohne erkennbaren Grund, häufig ein Hinweis auf verborgene Mängel.
- Mündliche Zusagen, die nicht im Vertrag stehen, denn nur der beurkundete Text gilt.
Wenn etwas nicht stimmig wirkt, ist es besser, einen Termin zu verschieben, als einen Vertrag zu unterschreiben, den Sie nicht vollständig verstehen.